Freitag, 5. Dezember 2014

Danke für die Unterstützung

Es ist für mich immer wieder bewegend, wenn mir alte Seile gebracht werden, die mit der Geschichte der jeweiligen Person verbunden sind.
So brachte mir Wolf ein Seil, das in den 1970er Jahren von seinem Vater gekauft worden war, jahrelang benutzt wurde, dann an den Sohn Wolf überging, der es immer wieder verwendet.
Ich bekam das Endstück mit dem Achterknoten.

Es ist relativ steif, aber immer noch im Bereich der Skala ("19"):




Optisch sieht es zwar benutzt aus, aber der Mantel ist intakt. Es erfüllt kein Ablegekriterium (außer das vom Hersteller vorgeschriebene Alter).
Wie viel dieses Seil gehalten hat?



1.350 kg (13.500 N). Das ist mehr als ausreichend. Zur Erinnerung: Die Seilendverbindung eines neuen Seils muss 1.500 kg aushalten.
 Da die Knotenfestigkeit ca. 50% ist, ist die Bruchfestigkeit des Seils mindestens 2 Tonnen.


Als Zwischenergebnis meiner bisherigen Untersuchungen kann ich - vorbehaltlich der statistischen Absicherung - festhalten:
Seile
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Alter und Reissfestigkeit. Das bedeutet, dass ich Ablegekriterien nicht in Abhängigkeit vom Alter definieren kann, z.B. bei Nichtbenützung X Jahre, bei 1 x/Woche Y Jahre.

Gurte
Hier habe ich noch zu wenige getestet, aber sie scheinen das, was für Seile gilt, zu bestätigen. Beispiel: Ein 40 Jahre alter Gurt (Sitz/Brustgurtkombination) hielt 2.700 kg (dann Abbruch des Versuchs).

Schlingen (Bandschlingenmaterial)
Hier gab es Ausreißer nach unten, und hier gibt es auch dokumentierte Unfälle.
Schlingen würde ich nur mehr redundant verwenden.


Sonntag, 2. November 2014

Was hält ein 54 Jahre altes Kletterseil?

Ein Glücksfall schickte mir ein Kletterseil aus dem Jahre 1960. (Danke, Andreas Bostroem, für diesen Glücksfall).
In dieser Zeit gab es immer noch Leute, die Hanfseile verwendeten. Kunststoffseile zu verwenden galt als modern. Noch 1959 hieß es über die Italiener, sie nehmen gegenüber Kunstfaserseilen eine abwartende Haltung ein: Die Produzenten der Langhanfseile seien bestrebt, am Markt zu bleiben.



Nun lag so ein neumodernes Bergseil auf meinem Schreibtisch, ein 8 mm Kletterseil aus Perlon (Handelsname für Polyamid der IG Farbwerke - in den USA hieß es Nylon von der Fa. DuPont).
Es muss ähnlich dem Seil aus der nebenstehenden Werbung sein.














Im Neuzustand sollte dieses Seil um die 1.100 kg halten, wie man aus einem Inserat aus dem Jahre 1957 entnehmen kann:
Das bedeutet, wenn man es mit einem Knoten verwendet (Bulin oder Achterknoten), dann muss man diese Zahlen halbieren, also hätte das Seil ca. 550 kg gehalten.
Das Seil war lange Jahre als Kletterseil im Einsatz gewesen und nach seiner Ausmusterung noch 20 Jahre zum Bäume Fällen benutzt worden.
Man kann sagen: Ziemlich benützt ...

Im Mikroskop sieht man genau die Risse der äußeren Fasern:

Es war auch ziemlich steif ...

Ich war gespannt, so wie das Seil auf meinem Prüfstand. Ich wählte den Achterknoten ...


Hier ist ein Film ...


oder auf youtube:
http://youtu.be/BTQH3FHiCZ4

Wenn man die Bruchlast hochrechnet, dann kommt man auf einen Festigkeitsverlust von ca. 50 bis 60%.
 

Die Seilprobe war im übrigen ziemlich konstant, zwei weitere Proben mit Bulinknoten zeigten die gleiche Bruchlast, alle im bereich von 220 bis 240 kg.

Wenn man die Sicherungstechnologie in dieser Zeit eingesetzt hätte, dann würde das noch weit ausreichen.  Bis in die 1970er Jahre sicherte man Vorsteiger wie Nachsteiger so:

Bei Körpersicherung mit Halbmastwurf übrigens auch ...

Sonntag, 19. Oktober 2014

Testanlage für Flexibilität

Die Flexibilität bzw. Biegsamkeit, Geschmeidigkeit ist für viele Leute ein wichtiges Kriterium. Je älter ein Seil, desto steifer wird es.
Ausnahme sind Kletterseile, die durch vielfachen Gebrauch weich werden.

Die EN 1891 für Statikseile schreibt ein Verfahren vor, wo ein "genormter" Knoten gemessen wird:




 Das ist eine gute Idee, um die Steifigkeit eines Seiles zu messen. Je steifer, desto weniger zieht sich bei genormter Belastung der Knoten zusammen.


Das Loch wird mit einer speziellen Lehre gemessen.


Hier möchte ich die Forma W.A . Richter's Söhne GmbH in Wien hervorheben, die mir diese Lehre (und noch einige andere Dinge) geschenkt hat. Mittels CNC Maschine haben sie das Teil hergestellt.
Herzlichen Dank für die Unterstützung!!!









Da ich keine Normprüfung sondern nur vergleichende Experimente mache, vereinfache ich diesen Test vor allem aus dem Grund, weil ich oft nur kurze Seilstücke zur Verfügung habe. Ich mache nur einen Knoten und messe den.

 Ich spanne das Seil gleich in ein Seilschloss (unteres Ende) ein, wie ich es danach für den zerreisstest brauche. Das hat erfreulicherweise den einen Kilo, den ich brauche. Darunter habe ich die 9 zusätzlichen Kilo.

Und im Bild sieht man die Messlehre. ich finde, sie sieht richtig geil aus!

Ich bin schon gespannt, ob es einen Zusammenhang zwischen Knotbarkeit (Flexibilität) und Reißfestigkeit gibt.


Meine Hypothese: Es gibt keinen Zusammenhang.

Montag, 13. Oktober 2014

Ein Kletterhallenseil hält weniger als 6 kN

Bereits das zweite Mal, dass ein Kletterseil deutlich weniger hält als ich es erwartet habe:
Ein ausgeschiedenes Topropeseil einer Kletterhalle. Vorher wurde es als Vorstiegsseil verwendet.
Also wirklich intensiv genutzt.
Ich habe es mit einem Bulinknoten eingespannt, da der Bulin weniger Bruchlast hat als der Achter.

Zu meiner Überraschung ist der Kern gerissen:

 ... und dann erst der Mantel.



Ein Blick auf die Kräfte ist dann überraschend:

Der Kern ist bei 5,8 kN gerissen, der Mantel hätte dann noch immerhin 450 kg gehalten.

Ich testete dann noch den Anseilknoten: für die Topropestationein schrumpfschlauchgesicherter Achterknoten:



Interessant ist, dass der Anseilknoten die üblichen Bruchlastwerte aufweist: Mehr als 1200 kg.

Das alles lässt die Vermutung aufkommen, dass es innere Verschleißerscheinungen sind. Dafür spricht, dass zuerst der Kern gerissen ist und auch, dass der Kern ziemlich viele lose Fasern aufweist:



Das Seil ist übrigens innen geflochten, nicht wie frühere Seile aus einem Dutzend paralleler Litzen aufgebaut.
Ich sehe noch keine unmittelbare Gefahr, das sagt auch die Erfahrung: Wenn die Seile bis über die Belastungsgrenze beansprücht würden, dann wäre schon lange eines gerissen ... das ist bisher noch nicht passiert (zumindest nicht bekannt).
Ich werde weiterhin nach der Ursache suchen.
Anmerkung:
 Was man wissen sollte: Ich habe das Seil mit dem Bulin getestet. Das Seil hält, ohne Knoten, an dieser Stelle das Doppelte. Da der Endknoten des Seils das Doppelte gehalten hat, würde ich annehmen, dass das Seil mehr als 10 kN (1 Tonne) gehalten hätte, wenn man es als normales Seil verwendet.
Damit dieses Seil reißt, müsste man es an der Schwachstelle abschneiden und dort anseilen und dann einen sehr starken Sturz in den Stand, statisch mit Grigri gesichert, machen. Diese Kombination  dürfte ziemlich selten sein.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Schlingen getestet

Eine Schlinge von Singing Rock - Lanyard, mit zwei Schlaufen und Schutzmantel.
Sie muss laut Norm EN 354 22 kN aushalten.


Das Preisschild weist auf das Jahr 1010 hin. Korrektur: OOps, doch nicht Mittelalter. Muss natürlich 2010 heißen.
Also, diese Hürde schafft sie locker:

23 einhalb KN, also 2,3 Tonnen.

Schauen wir uns die gleiche Schlinge an, zwei Jahre älter.


Die hielt deutlich weniger, "nur" 13,4 kN.
 

EineUrsache konnte ich nicht finden. Die zwei Jahre führen nicht zu so einer Alterung.


Schauen wir uns noch im Vergleich dazu eine Singing Rock 120er genähte Bandschlinge an:

Das Etikett weist sie aus:
Sie muss auf jeden Fall bei der Typenprüfung 25 kN halten.
Laut EN 566 braucht sie nur 22 kN halten,
14 Jahre nach der Typenprüfung hält sie immerhin noch 21,8 kN. Obwohl sie deutliche Gebrauchsspuren aufweist.

Das nenne ich ein gutes Ergebnis.

Die Frage bleibt bestehen, warum die eine Schlinge deutlich früher gerissen ist.

Daher möchte ich zum Wiederholten Male darauf hinweisen, dass es bei Schlingen zu Unfällen wegen Versagens (Riss) gekommen ist (im Gegensatz zu Seilen).  Daher empfehle ich, sie redundant zu verwenden.






Samstag, 4. Oktober 2014

Wieviel halten Bäume

Wenn Philipp in seinem Garten zwei Bäume entfernen möchte, dann ist das eine gute Gelegenheit, dass die Buben im Garten spielen.
Heute war die Gelegenheit günstig, da die Erde durch den Dauerregen feucht und es wahrscheinlich war, dass die Bäume mit den Wurzeln herauskommen.
Versuchsanordnung:
In ca. 80 cm Höhe wurden Schlingen befestigt, ein 3,2 to Greifzug und ein Dynamometer.
Dann ging es los:


Es ist bemerkenswert. Obstbäume sind normalerweise sehr schlechte Bäume, niemand würde da Verankerungen setzen. Umso beruhigender ist es, dass dieser Baum über eine Tonne ausgehalten hat, obwohl er schon am Boden gelegen ist. Die stärkste Last war 2,2 Tonnen!
Durchmesser: um die 24 cm, also nicht wirklich dick.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Serientests

Im Nussbaum hing ein Seil, Alter unbekannt.
Dafür gibt es Streifen in den Eingeweiden, seit ca. 15 Jahren:
Das Gelbe im Inneren ist der Streifen.
Man kann die Jahreszahl erkennen:
2003, das Seil ist also 11 Jahre alt.
Bemerkenswert, wie steif es ist. Man kann kaum einen Knoten machen.
Hier ist der Originalknoten der Befestigung:

Er hätte gehalten. Mehr als 1,5 Tonnen:



Interessant, dass die Knoten fast immer durch das Reißen so aufspringen, dass man sie leicht lösen kann.


 

10 Versuche später


Die Ergebnisse des Seiles sind erfreulich.
Mindestens 1,2 Tonnen.
Im Diagramm unten bedeutet "1" Achterknoten und "2" Bulinknoten. Der Achter hält tendenziell mehr als der Bulin, aber nicht unbedingt.


Hier ist das Video von der Probe, die am schlechtesten gehalten hat.